Krebs, Hirnschlag, Unfall, Burn-out – die Gesundheit von Führungspersonen war lange ein Tabu. Gefangen im Bild des unfehlbaren Unternehmers bzw. Unternehmerin sprachen Leader*innen nicht über das Risiko eines Ausfalls. Dabei gibt es drängende Fragen: Welche Gefahren birgt eine längere Absenz für die Organisation? Wie kommuniziert man intern und extern? Wie funktioniert das Team mit einer Stellvertretung – und wie bereitet man den Wiedereinstieg vor?
Eine kurze Medienmitteilung kurz vor den Festtagen 2006 bestätigte den Rücktritt von Nelly Wenger von der Spitze von Nestlé Schweiz. Die Ankündigung überraschte niemanden. Drei Monate zuvor hatte der Konzern mit Sitz in Vevey bekanntgegeben, dass die frühere Expo.02-Direktorin krankheitsbedingt ausscheiden werde, um einen früh erkannten Brustkrebs behandeln zu lassen. Ihre Nachfolge trat Hervé Cathelin an, der bis dahin die Stellvertretung sichergestellt hatte – «um die Kontinuität der Unternehmensführung zu gewährleisten». Für Nestlé ging damit zwar ein Kapitel zu Ende – den Konzern zu erschüttern vermochte der Vorgang aber nicht.
Am 21. August 2025 musste die Waadtländer Regierung mitten in einer politischen Krise die einmonatige krankheitsbedingte Abwesenheit von Staatsrätin Rebecca Ruiz bekanntgeben, Vorsteherin des Gesund-heits- und Sozialdepartements. Burn-out? Schwerwiegende Krankheit? Die Ankündigung nährte Gerüchte und Spekulationen