Die Neurowissenschaft weiss, dass Mut nicht die Abwesenheit von Angst ist – sondern ein wesentlich komplexerer, aktiver Prozess, den man trainieren kann. Der «Mut-Muskel» sitzt im Gehirn.
Was in der Philosophie seit Jahrtausenden als Tugend beschrieben wird, hat die Neurowissenschaft in den letzten zwanzig Jahren als messbaren Hirnprozess identifiziert: Mut ist die Fähigkeit, willentlich zu handeln, obwohl das Gehirn ein Furchtsignal sendet. Und dieser Prozess lässt sich trainieren.
Die bahnbrechende Studie stammt aus dem Jahr 2010: Am Weizmann Institute of Science in Israel liessen die Forscher um Uri Nili Versuchspersonen entscheiden, ob sie eine lebende Schlange näher an sich heranführen oder vor ihr zurückweichen wollten – während ein Hirnscanner jede Reaktion aufzeichnete.
Das Ergebnis war verblüffend. Wenn Proband*innen sich trotz Angst für die Annäherung entschieden, wurde eine bestimmte Hirnregion aktiv: der subgenuale anteriore cinguläre Kortex (sgACC), ein Teil des Stirnhirns. Und zwar umso stärker, je grösser die empfundene Angst war.
Der sgACC funktioniert wie ein Überschreiber: Er dämpft die