Synthese der Perspektiven

Autor:  Claire-Lise Rimaz Veröffentlicht 24 September 2024
Porträt von Claire-Lise Rimaz, in Schwarz gekleidet.

Das Potenzial steckt in der kollektiven Intelligenz: Aus der Mischung verschiedener Perspektiven entstehen neue Ansätze und Lösungen, auf die kein Mitglied der Gruppe allein gekommen wäre.


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Liebe Leserin, lieber Leser,

In Meetings und Gesprächen in der Gruppe wird mir immer wieder bewusst, wie viel Potenzial in der kollektiven Intelligenz steckt: Aus der Mischung verschiedener Perspektiven entstehen neue Ansätze und Lösungen, die kein Mitglied der Gruppe allein gefunden hätte. Das ist der Kern von Shared Governance: das Teilen von Führung und Verantwortung zum Vorteil der Organisation.

In dieser Ausgabe des LEADER tauchen wir in die Welt der geteilten Führung ein. Ein Imperativ in der Unternehmenswelt, die stärker von Purpose und weniger vom Profit geprägt ist. Shared Governance verspricht nicht zuletzt eine stärkere Gewichtung des Zwecks der Organisation.

Professorin Jacqueline Martin sieht in der Verteilung von Führungsaufgaben ein Mittel, um Kompetenzen besser zu nutzen und Lücken zu vermeiden. Im Interview ab Seite 10 verweist sie aber darauf, dass alle bereit sein müssen, Verantwortung zu übernehmen – und dass Politik und Rangeleien bremsen können.

Spektakulär ist das Vorhaben der Alternativen Bank, die beweist, dass dieses Modell in einem streng regulierten Umfeld funktionieren kann. Anderswo zeigt sich, dass der Traum für Arbeitnehmende zur Herausforderung wird, wenn sie sich in einem Rollenmodell ihre Ansprechpartner suchen müssen und nicht einfach die Chefin fragen können.

Schliesslich gibt es viele Modelle für Shared Governance: Die Teal-Organisation eignet sich vielleicht weniger für einen Produktionsbetrieb, und Dienstleister sind von Natur aus agil. Aber es gibt für alle eine Methode. Ab Seite 28 liefern wir den Überblick.

Ein Trend ist die geteilte Führung seit Jahrzehnten in der Pflege (Seite 30). Denn wo breites Wissen und Expertise über das Wohl von Patientinnen und Patienten entscheiden, können Schwarmintelligenz und das Konsentprinzip die Qualität signifikant erhöhen, wie Studien gezeigt haben.

Das Letzte Wort (Seite 32) hat ein Mann aus einem Bereich, in dem wir eiserne Disziplin und vertikale Hierarchie erwarten: Feuerwehrexperte Roland Fässler lehrt uns, dass auch in Einsätzen Koordination und geteilte Führung möglich und oft sogar notwendig sind.

Shared Governance bietet in vielen Situationen ganz neue Lösungen, die wir uns bisher einfach nicht vorstellen konnten. Wir sollten die Pluralität der Verantwortlichkeiten besser verstehen, unterstützen und respektieren. Die grundlegende Aufgabe eines Unternehmens besteht über die Notwendigkeit hinaus, wirtschaftlich rentabel zu sein, auch darin, soziale oder ökologische Ziele zu verfolgen. Und wir alle müssen unseren Teil der Verantwortung übernehmen.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!

Claire-Lise Rimaz