Eine Berufslaufbahn folgt heute keinem festen Gleis mehr. Wer eine Führungsfunktion über Jahre ausfüllen will, fügt sein Profil aus einzelnen Bausteinen zusammen, stellt sich selbst regelmässig auf den Prüfstand und bleibt beweglich. Innere Entwicklung wird damit zur härtesten Währung auf dem Arbeitsmarkt – und zur Bedingung, damit Spitzenpositionen über Jahre tragfähig bleiben.
«Leader!» Noch nie hat diese sozioberufliche Kate gorie so viele Paradoxien, Definitionen und Fantasien in sich vereint. Während die blosse Erwähnung dieses Status am Networking-Apéro den Respekt des Gegenübers garantiert, sagt dies nichts über dessen genaue Ausprägung oder Eigenschaften aus. Eines steht fest: Die Arbeitswelt huldigt den «Leadern» und schwört auf sie. Ein kurzer Blick ins Berufsnetzwerk LinkedIn genügt, um das zu bestätigen. Die Posts von Recruitern auf der Suche nach der seltenen Perle sind nicht mehr zu zählen. Glaubt man den Stellenbeschreibungen, wäre der oder die Leader jemand, der inspiriert, Teams mit kühlem Kopf managt, über zwischenmenschliche Qualitäten verfügt und Risiken eingeht – aber nicht zu sehr. Kurz: Die Führungsperson im Jahr 2026 ist eine Eier legende Wollmilchsau.
Was das Storytelling allerdings verschweigt: Kader stehen unter einem irrwitzigen Druck, jedes Häkchen in ihr Pflichtenheft zu setzen, während