Helden sind zwiespältige Rollenmodelle, sagt die Philosophin: Sie erlauben uns, «Mut» an spezielle Menschen zu delegieren und uns in die Durchschnittlichkeit zu flüchten. Dabei definiert sich «Mut» nicht als Abwesenheit von Angst, sondern als souveräner Umgang mit ihr. Auch im Alltag, im Beruf, im Unternehmen. Mutig ist übrigens nur, wer Gutes damit bewirken will.
Wann waren Sie zuletzt als Führungsperson mutig? Als Sie ein wichtiges Projekt gegen den Widerstand einiger Stakeholder gestoppt haben, weil es ein Fass ohne Boden zu werden drohte? Als Sie im Geschäftsleitungsmeeting einen Fehler proaktiv und offen kommuniziert haben, anstatt abzuwarten und stillzuhalten?
Mut kann im Unternehmens- und Führungskontext viele Formen annehmen. Doch was genau ist Mut? Für die Beantwortung dieser zutiefst philosophischen Frage lohnt sich ein Blick in die Antike. Denn Mut gilt in der Philosophie seitdem als eine Tugend und ist damit Teil der Tugendethik, die unter anderem mit Denkern wie Sokrates, Platon und Aristoteles verknüpft ist. Insbesondere die aristotelische Tugendethik bietet sich für die Beantwortung an, denn sie hat sich als besonders anschlussfähig für wirtschafts und unternehmensethische Fragestellungen erwiesen.
Für Aristoteles ist Mut eine charakterliche Tugend, die den Umgang mit Furcht und Angst betrifft.