Die Frage ist nicht mehr, ob künstliche Intelligenz nützlich oder gefährlich ist, denn diese binäre Sichtweise führt in eine Sackgasse. Heute geht es darum zu verstehen, wie diese Technologie unsere Gesellschaft verändert, und uns zu fragen, welche Rolle wir als Führungskräfte bei der Gestaltung dieses Wandels spielen wollen.
Liebe Leserin, lieber Leser,
«Es reicht nicht, KI einfach zu implementieren», sagt die ETH-Forscherin Jennifer Victoria Scurrell in unserem Schwerpunktartikel zur künstlichen Intelligenz. Der Satz sagt viel mehr, als das, was die Wissenschafterin anfügt – dass diese Technologie eine umfassende Aufklärung und Schulung von uns allen verlangt. Er zeigt vor allem auch, dass es längst nicht mehr um die Frage geht, ob künstliche Intelligenz nun nützlich oder gefährlich ist. Diese binäre Ansichtsweise ist eine Sackgasse. Wir müssen verstehen, wie diese Technologie unsere Gesellschaft transformiert – und welche Rolle wir als Führungskräfte in der Gestaltung des Wandels spielen wollen.
Mehr und bewusste Einflussnahme fordert die KI-Expertin und Waadtländer Nationalrätin Isabelle Chappuis. Im Interview bringt sie es auf den Punkt: «Wir müssen über das blosse Antizipieren von Herausforderungen hinausgehen. Die Zukunft ist keine lineare Projektion der Gegenwart.» Deswegen sollten wir anfangen, sie mit Neugier, Kreativität und Mut zu gestalten. Probleme, sagt sie, liessen sich vermeiden, wir müssten nicht auf sie warten und sie dann lösen.
Wie brisant Chappuis’ Forderung ist, zeigt eine Studie von der «plattform», dem Zusammenschluss von acht Angestelltenverbänden (darunter Swiss Leaders). Während bereits die Hälfte aller Mitarbeitenden KI im Arbeitsalltag nutzt, verfügen nur 23 Prozent der Unternehmen über eine entsprechende Strategie.
Dass sich dabei auch noch fast alle Player viel mehr Information und Anleitung wünschen, kann als gutes Zeichen gewertet werden: Es bietet Raum für Nationalrat Balthasar Glättlis Standpunkt, wonach jetzt konkrete Risikofolgeabschätzungen und Transparenz über den Einsatz der Technologie breit eingeführt werden müssen. Der IT-Fachmann warnt dabei davor, wie eine bemerkenswerte Mehrheit seiner Peers, die Innovation den Tech-Giganten zu überlassen.
Einmal mehr also fordert das Aufkommen einer technischen Revolution Führungskräften alles ab. Wir müssen die Chancen und Möglichkeiten der KI nutzen. Andererseits – und hier wird es spannend – müssen wir mehr denn je unsere menschlichen Qualitäten in den Vordergrund stellen. Denn auch wenn uns die Maschinen bald in der reinen Denkleistung überholen mögen, wie KI-Experte Stephan Siegfried in der Rubrik Trend zeigt, werden Kreativität, kritisches Denken und emotionale Intelligenz umso wichtiger.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine inspirierende Lektüre – und den Mut, die Zukunft aktiv mitzugestalten, statt sie nur zu erleben.
Claire-Lise Rimaz
Geschäftsleiterin Swiss Leaders