Wir überschätzen unseren eigenen Mut, und wir bewundern andere für ihre Entscheidungskraft. Dabei ist dies eine Trainingsfrage: Mut ist ein Muskel, für den es einfache Fitnessprogramme gibt.
Die Forschung zeichnet ein paradoxes Bild (Rubrik «Wissen»): Je weniger Erfahrung jemand mit mutigen Entscheidungen hat, desto grösser erscheint ihm oder ihr die Hürde. Mut wirkt von aussen spektakulär, dabei handelt es sich oft um einen gut trainierten Reflex.
In Organisationen ist er wichtig, denn Schweigen kann teuer werden. Wenn Mitarbeitende Fehler, Risiken oder bessere Wege nicht ansprechen, zahlt das Unternehmen mit verpasster Innovation und vermeidbaren Krisen. Die Speak-up-Kultur beginnt nicht beim Unternehmensleitbild, sondern bei der individuellen Bereitschaft, den Mund aufzumachen – eine Erkenntnis, die sich wie ein roter Faden durch diesen LEADER zieht (mehr dazu im «Schwerpunkt»).
Wie also trainiert man Mut?
Das Premortem. Der Psychologe Gary Klein dreht das übliche Vorgehen um: Statt ein Projekt zu starten und auf das Beste zu hoffen, stellt man sich vor, es sei bereits gescheitert, und denkt es in die umgekehrte