Die Ursachen für kognitive Verzerrungen bei Entscheidungen liegen zuallererst im menschlichen Wesen, etwas weniger häufig im Vorgehen und am seltensten im Datenmaterial. Zu diesem Schluss kommt der britische Neurowissenschafter Itiel Dror.
Ist demnach die Wissenschaft vor Bias gefeit? «Keineswegs», sagt Dror. «Denn erstens arbeiten auch Forscherinnen und Forscher in einem menschlichen Umfeld und sind selbst Menschen. Und zweitens halten sie sich eher als andere für immun. Das ist ausserordentlich gefährlich. Denn Verzerrungen vermeiden kann nur, wer ihre Existenz anerkennt.»
Dror betont deswegen, dass diese sechs Trugschlüsse ausgeräumt werden müssten:
• Anfälligkeit für Verzerrungen ist ein Charakter – oder ein ethisches Problem, das leicht vermieden werden kann.
• Anfällig sind nur Leute mit mangelnder Kompetenz oder gar bösen Absichten.
• Bias kann durch Standardisierung und Automatisierung eliminiert werden.
• Es ist ein individuelles Problem und erfordert keine systemischen Lösungen.
• Bias ist ein binäres Konzept – entweder unterliegt man der Verzerrung oder nicht.
• Experten sind durch Erfahrung und Fachwissen immun gegen Bias.
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