Rechtliche Ansatzpunkte für die Nachfolge in KMU
Autor: Susanne Caduff-Keller, Prof. Leo Staub Veröffentlicht 03 August 2015
Familienunternehmen sind für den Schweizer Wirtschaftsstandort von grosser Bedeutung. Sie stellen rund zwei Drittel der Arbeitsplätze. In vielen dieser Unternehmen steht ein Generationenwechsel bevor. Damit dieser erfolgreich gelingt, müssen die Vorbereitungen frühzeitig getroffen werden.
Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger und die Frage der Finanzierung sind bei einer Unternehmensnachfolge von zentraler Bedeutung. Hinzu kommen zahlreiche rechtliche und steuerliche Fragen sowie psychologische, strategische und organisatorische Aspekte. Die rechtlichen Fragestellungen lassen sich in vier Kategorien einteilen.
Ehevertragliche Regelungen
Eine erste Kategorie umfasst die im Hinblick auf die Unternehmensnachfolge erforderlichen ehevertraglichen Regelungen. Wie wird das Unternehmen vor den Folgen einer Scheidung geschützt? Was geschieht mit den Unternehmensanteilen, wenn die Ehe durch den Tod eines Ehegatten aufgelöst wird? Wie lässt sich sicherstellen, dass die minderjährigen Kinder des Unternehmers im Todesfall nicht den unternehmerischen Risiken ausgesetzt sind?
Erbrechtliche Regelungen
Eine zweite Kategorie betrifft die erbrechtlichen Regelungen. Wer soll im Todesfall des Unternehmers die Unternehmensanteile erben? Wie sind die Ansprüche der Erben zu erfüllen, die nicht aktiv am Unternehmen beteiligt sind? Zu welchem Wert sollen die Unternehmensanteile auf die Nachfolger übertragen werden, wenn die Übertragung zu Lebzeiten erfolgt?
Fragen zur Unternehmensstruktur
Eine dritte Kategorie umfasst alle Fragen zur Unternehmensstruktur und zum Verhältnis zwischen den verschiedenen Aktionären. Verfügt das Unternehmen über eine Rechtsform, die eine Nachfolge erleichtert? Müssen der Gesellschaftsvertrag oder die Statuten angepasst werden? Wie arbeiten die Aktionäre bei der Ausübung des Stimmrechts an der Generalversammlung zusammen? Wie soll der Verwaltungsrat zusammengesetzt sein? Welche Regeln sollen für die Übertragung von Aktien gelten?
Alternative Möglichkeiten für die Unternehmensnachfolge
Manchmal lässt sich innerhalb der Familie keine Nachfolgelösung finden. Während vor 20 Jahren noch sieben von zehn Familienunternehmen eine interne Lösung fanden, werden es künftig voraussichtlich nur noch vier sein (KMU-Portal des Bundes). In diesen Fällen ist in einer vierten Kategorie zu prüfen, ob das Unternehmen verkauft werden kann. Sind die bisherigen Mitarbeitenden geeignete Käufer oder müssen Interessenten ausserhalb des Unternehmens gesucht werden? Wie soll ein solcher Verkaufsprozess organisiert werden? Sollen die Unternehmensanteile selbst oder nur bestimmte Teile des Unternehmens verkauft werden? Welche Regelungen sind in einem Kaufvertrag vorzusehen? Wie wird die Finanzierung geregelt und wie werden die häufig erforderlichen Verkäuferdarlehen abgesichert?
Eine sorgfältige Planung ist unerlässlich
All diese Fragen können sich bei der Ausarbeitung einer Nachfolgelösung stellen. Um sie zu beantworten, ist eine sorgfältige und vorausschauende Planung erforderlich. Insbesondere die unerwartete Übertragung des Unternehmens infolge des Todes des Unternehmers kann für das Unternehmen einen Schock darstellen. Eine seriöse Vorbereitung auf eine solche «Krisensituation» ist unerlässlich!
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Die vorstehend publizierten Informationen und Aussagen stellen keine Rechtsberatung dar und sind kein Ersatz für eine spezifische Beratung zu einem konkreten Einzelfall.