Während das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zur Religion erhoben wird, gewinnt sein negatives Pendant an Aufmerksamkeit. Wie lässt sich dieses Paradox erklären? Was steckt hinter dem modischen Sammelbegriff, der gleichzeitig Managementprobleme, zwischenmenschliche Dynamiken, Unternehmenskultur und gesellschaftliche Erwartungen umfasst? Experten und Expertinnen benennen Gemeinsamkeiten, Ursprünge und hilflose Vertuschung.
Es ist eine Geschichte unter vielen – die einer verhängnisvollen Eskalation in einer beruflichen Laufbahn; das Zeugnis einer langsamen Verschlechterung, deren schädliche Auswirkungen unmerklich eine begehrte Arbeit in ein toxisches Umfeld verwandeln. Die Geschichte dieser Abwärtsspirale spielt sich hinter verschlossenen Türen einer Abteilung der Tessiner Kantonsverwaltung ab. Wir schreiben das Jahr 2018. Raffaella Trezzini* ist Assistenzdoktorandin an der Universität Lausanne (UNIL), als sie sich um eine Spezialistenstelle in ihrem Fachgebiet bewirbt. Dass sie akzeptiert wird, ist eine gute Nachricht – aber eine nur von kurzer Dauer.
Raffaella tritt die Stelle nur wenige Wochen nach ihrem Chef an: «Er war neu in dieser Funktion, und ich verstand gewisse Mängel aufgrund seiner Unerfahrenheit», betont sie. «Aber es stellte sich heraus, dass ich meine Position antrat, ohne dass meine Rolle und meine Aufgaben dem Team kommuniziert worden waren. Am Anfang