Auf der Intensivstation (IS) haben wir täglich mit plötzlichen Schicksalsschlägen zu tun. Wobei uns viele Patientinnen und Patienten nach zwei, drei Tagen wieder verlassen – nach Operationen, die gut verlaufen sind, und Routineaufenthalten. Aber dann gibt es die anderen. Unfälle. Schwere Erkrankungen. Menschen, bei denen von einem Moment auf den anderen nichts mehr so ist wie vorher.
Wir erfahren nicht von ihnen, was das für sie heisst: Die we nigsten der Betroffenen sind ansprechbar. Unser prioritäres Ziel ist, ihr Überleben zu sichern, mithilfe von Maschinen, Medi kamenten und operativen Ein griffen.
Den Kontext erhalten wir von den Angehörigen – wir beziehen sie so früh wie möglich ein. Mit ihnen sprechen wir regelmässig, jeden Tag, wenn nötig. Sie ver leihen dem Patienten oder der Pa tientin ein Umfeld, eine Geschichte, eine Identität.
Das ist von grundsätzlicher Bedeutung. Wir erfahren, welche Werte die Erkrankten haben, was für ihn oder sie Lebensqualität bedeutet. Wenn er oder sie keine Patientenverfügung hat, in der diese Themen in den eigenen Worten beschrieben sind, werden die Angehörigen zu Stellvertretenden in diesen Fragen. Das ist für viele sehr belastend, aber für uns auf der IS ist es wesentlich. Diese Last können wir alle unseren eigenen Angehörigen abnehmen, wenn sich jeder und jede von uns Gedanken