«Man wird oft unterschätzt: Das ist eine Chance.» Mit diesen Worten fasst der 22-jährige Hoteldirektor Felipe Smura seine Erfahrung als junge Führungskraft zusammen. Sein Beispiel zeigt eindrucksvoll, dass die pauschale Behauptung «Junge Menschen wollen nicht führen» zu kurz greift. Vielmehr steht eine Generation bereit, die Führung anders gestalten will – authentisch, menschlich und zweckorientiert.
Liebe Leserin, lieber Leser,
Unser Magazin widmet sich in dieser Ausgabe dem Phänomen «Conscious Unbossing». Was zunächst nach Führungsverweigerung klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Chance für eine fundamentale Neuausrichtung unserer Führungskultur. Wie der Wirtschaftspsychologe Jörg Felfe im Schwerpunktartikel bemerkt: Die Führungsunlust «ist eine zeitgeistige Beobachtung und wird zu einem Narrativ, das sich durch Wiederholung zu bestätigen scheint – eine Art selbst erfüllende Prophezeiung».
Die Gründe für die Zurückhaltung gegenüber traditionellen Führungsrollen sind vielfältig und generationsübergreifend. Das mittlere Management steckt, wie Professorin Myriam Bechtoldt darlegt, in einer belastenden «Sandwichposition» mit «physisch messbarer Stressbelastung». Dieser Stress schreckt nicht nur die Generation Z ab.
Ermutigend sind die Beispiele junger Führungskräfte, die neue Wege beschreiten. Die 29-jährige Ramona Koch, Teamleiterin bei den SBB, betont die Bedeutung von «fachlicher Kompetenz, offener Kommunikation und aktivem Zuhören». Und Anna Jörgens von Aldi Suisse erklärt: «Ich glaube nicht, dass die Gen Z keine Lust auf Führung hat – wir denken sie nur anders. Uns geht es nicht um Status oder Macht, sondern um Impact, Sinn und echte Zusammenarbeit.»
Unternehmen sind gefordert, diese Impulse aufzunehmen. Mit Co-Leadership, Gamification oder Reverse Mentoring experimentieren bereits viele Schweizer Firmen. Sie erkennen: Führung muss wieder menschlicher werden. Wie Thomas Gygax sagt: «Junge Menschen wollen führen, aber dabei sie selbst bleiben dürfen.»
Das «Conscious Unbossing» ist keine Verweigerung, sondern ein Aufbruch zu sinnstiftenderer Führung. Statt ein Problem zu beklagen, sollten wir die Chance ergreifen, gemeinsam die Zukunft der Führung zu gestalten.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!
Claire-Lise Rimaz
Geschäftsleiterin Swiss Leaders