In ihrem berühmten Buch geben Bill George und Peter Sims der Idee des «true north» eine ebenso einfache wie wesentliche Bedeutung: Führungspersönlichkeiten brauchen einen inneren Kompass, eine Art, ihren Werten treu zu bleiben, ohne deshalb Umwege oder Richtungswechsel abzulehnen, die heute notwendiger und unvermeidlicher sind denn je.
Geschätzte Leserinnen und Leser,
In ihrem berühmten Buch geben Bill George und Peter Sims der Idee des «true north» eine ebenso einfache wie wesentliche Bedeutung: Führungspersönlichkeiten brauchen einen inneren Kompass, eine Art, ihren Werten treu zu bleiben, ohne deshalb Umwege oder Richtungswechsel abzulehnen, die heute notwendiger und unvermeidlicher sind denn je.
Bei Swiss Leaders beobachten wir jeden Tag, wie Führungskräfte nicht nur das Unternehmen wechseln, sondern auch die Branche, manchmal sogar den Beruf. In diesem Kontext ist persönliche Entwicklung kein modischer persönlicher Luxus, sondern eine Möglichkeit, an Stimmigkeit und Klarheit zu gewinnen. Und Weiterbildung wird unverzichtbar, sofern sie sich nicht auf das Sammeln von Zertifikaten beschränkt.
Eine Führungspersönlichkeit stellt ihr Team nicht zusammen, um in ihrer Gewissheit bestätigt zu werden, sondern um ihr Wahrnehmungs- und Handlungsspektrum zu erweitern.
Im Interview, das er uns gegeben hat, erinnert Guido Schilling daran, dass Unternehmen heute nicht mehr nach allwissenden Chefs suchen. Die Komplexität ist zu gross, als dass eine Führungskraft den Anspruch erheben könnte, alles zu wissen, alles zu sehen und alles allein zu entscheiden. Genau dorthin führt eine bessere Selbsterkenntnis: zu erkennen, was man kann, aber auch, was man nicht allein tragen kann.
Annalisa von Grünigen betont ihrerseits, dass Erfahrung allein nicht mehr ausreicht, um die berufliche Attraktivität zu sichern. Manche Führungskräfte haben einem Unternehmen viel gegeben, manchmal über Jahre hinweg, ohne dabei stets an ihrer eigenen Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt zu arbeiten. Wer jedoch Akteurin oder Akteur des eigenen beruflichen Weges bleiben will, muss seine Kompetenzen, sein Netzwerk, seine Ambitionen und seinen Entwicklungsbedarf regelmässig neu einschätzen können.
Leadership entsteht in und durch Beziehungen. Es braucht Feedback, Peers, Mentorinnen und Mentoren sowie Räume, in denen man die eigene Haltung hinterfragen und die eigene Wirkung verstehen kann. Hélène Mandalidis, Yvonne Müller, Lionel Stoudmann und Olivier Grangier erinnern auf ihre je eigene Weise daran: Es geht darum, besser sehen zu lernen – sich selbst, die anderen, Spannungen, Ressourcen und die Transformationen, die im Gang sind.
Und schliesslich gibt es die Prüfungen. Rückschläge, Krisen, Fehler. Gabi «Balboa» Timar, Barbara Küchler und Alexia Michiels zeigen, dass Resilienz keine abstrakte Formel ist, sondern eine wesentliche menschliche Kompetenz.
Sich heute weiterzubilden, bedeutet daher nicht einfach, dem eigenen Werdegang eine weitere Zeile hinzuzufügen. Es bedeutet, beschäftigungsfähig zu bleiben, ohne austauschbar zu werden. Sich anzupassen, ohne sich aufzulösen. Sich neu zu erfinden, ohne sich selbst zu verlieren.
Vielleicht bedeutet genau das letztlich, den eigenen wahren Norden zu finden.
Nicolas Stevan
Geschäftsführer a.i. Swiss Leaders